Wenn du ein neues Häkelprojekt ausgewählt hast, kommt immer der Moment, in dem du die Farben des Garns auswählen musst. Bei vielen Projekten musst du diese Entscheidung nicht unbedingt selbst treffen; du kannst ein fertiges Set kaufen oder einfach die gleichen Farben wie der Designer wählen. Das ist natürlich völlig in Ordnung, besonders wenn dir die Farben bereits gefallen – dann musst du das Rad nicht neu erfinden. Wenn du jedoch selbst eine Wahl treffen möchtest, ist es immer hilfreich, das Farbrad hinzuzuziehen.

Im Farbrad stehen alle Grundfarben, mit denen du jede Farbe mischen kannst. In der Mitte des Farbkrads findest du die Primärfarben: Gelb, Rot und Blau. Das sind die Basisfarben. Mit den Primärfarben kannst du die Sekundärfarben mischen: Orange, Violett und Grün. Die verschiedenen Schattierungen der Sekundärfarben befinden sich im äußeren Ring des Kreises. Wenn du zum Beispiel die Kombination aus Rot und Gelb betrachtest, siehst du, dass sie Orange ergibt. Fügst du mehr Gelb als Rot hinzu, erhältst du einen helleren Orangeton, und wenn du mehr Rot als Gelb hinzufügst, erhältst du einen dunkleren Orangeton.
Natürlich kannst du diese Farben bei Garnen nicht selbst mischen, es sei denn, du färbst dein Garn selbst. In der Regel kaufen wir das Garn direkt in der Farbe, die uns gefällt. Beim Kombinieren der Farben kannst du anhand der Farben des Farbrads feststellen, ob die Farben gut zusammenpassen und welchen Effekt du mit der Kombination erzielst. Es gibt nämlich Farben, die einander verstärken, aber auch Farben, die zusammen ein harmonisches Ganzes bilden.
Möchtest du deine Kreation sehr ruhig halten, kannst du zum Beispiel eine Ton-in-Ton-Kombination wählen. Dabei schaust du auf eine Seite des Farbkrads und wählst Farben, die sehr nah beieinander liegen. Du könntest zum Beispiel drei orange-rote Töne für eine Decke auswählen.
Du kannst dich aber auch für Farben entscheiden, die einander verstärken. Dann wählst du sogenannte Komplementärfarben, zum Beispiel Gelb und Violett. Diese Farben liegen sich im Farbrad gegenüber, und wenn du sie nebeneinander verwendest, wirken sie kräftiger. Wenn du beispielsweise eine violette Jacke mit gelben Knöpfen häkelst, fallen die Knöpfe besonders auf. Wählst du dagegen rosafarbene Knöpfe, stechen sie weniger hervor. Nützlich zu wissen, oder? Wenn du weißt, wie das Farbrad funktioniert und aufgebaut ist, kannst du ganz bewusst Entscheidungen über die Farbauswahl treffen.
Farbe und Emotion
Mit Farben kannst du auch bestimmte Emotionen darstellen. Du kannst die Farbe deiner Kreation nach der Emotion oder dem Gefühl auswählen, das du vermitteln möchtest. Das ist natürlich besonders schön, wenn du etwas für jemand anderen machst.
Wenn du jemandem zeigen möchtest, dass du ihn liebst, häkelst du ein rotes Herz oder eine rote Blume. Rot ist die Farbe der Liebe. Rot steht für Leidenschaft, Wärme, aber auch für Wut und Gefahr. Rot wird außerdem als Signalfarbe verwendet. Es ist auch die Farbe der belgischen Nationalmannschaft – sie werden „die roten Teufel“ genannt.
Orange ist eine sehr fröhliche Farbe. Sie ist die Farbe des niederländischen Königshauses und der niederländischen Sportmannschaften. Orange macht gute Laune und steht für Freundlichkeit, ist verspielt und positiv.
Gelb stimmt positiv und optimistisch und erinnert an die Sonne und schönes Wetter. Es ist eine sehr auffällige und energiereiche Farbe, die dich happy macht.
Grün ist die Farbe des Wachstums, der Geburt, der Natur, der Stabilität und der Nachhaltigkeit.
Entscheidest du dich für Blau? Das ist die Farbe der Zuverlässigkeit, des Wassers, der Klarheit und der Intelligenz.
Violett ist die Farbe der Nostalgie, der Magie und des Geheimnisvollen.
Und Rosa? Meine Lieblingsfarbe steht für Weiblichkeit, Liebe, Unschuld und Zärtlichkeit.
Auch viele Unternehmen und Institutionen nutzen Farben, um bestimmte Emotionen hervorzurufen. In einem Krankenhaus werden oft beruhigende Farben wie Blau und Grün in den Wartezimmern verwendet oder positive Farben wie Gelb und Orange. Ein rotes Wartezimmer wirst du selten sehen – es macht eher gestresst und ungeduldig, da Rot eine Signalfarbe ist, die um Aufmerksamkeit fragt. Banken verwenden oft die Farben Grün und Blau, um Vertrauen zu vermitteln, und Grün steht auch für Geld. Produkte, die speziell für Frauen entwickelt wurden, haben oft ein rosa Logo oder Verpackung, weil Rosa für Weiblichkeit steht. So werden Farben eingesetzt, um ein bestimmtes Gefühl darzustellen oder hervorzurufen.
Im Internet kannst du die Bedeutung und die Emotionen aller Farben nachforschen. Natürlich ist das keine exakte Wissenschaft, also kannst du selbst herausfinden, was du bei einer bestimmten Farbe empfindest. Du kannst auch eine besonders schöne Erinnerung an eine bestimmte Farbe haben, die du in deiner Kreation verwenden möchtest – zum Beispiel das leuchtende Blau des Meeres in Kombination mit einem Sandton, wenn du auf einer herrlichen tropischen Insel warst. Probiere es einfach mal aus, es ist eine schöne und sehr intuitive Art, Farben für deine Kreation auszuwählen.
Wenn du die Farbe auf Basis von Emotionen auswählst, ist es natürlich schön, deiner Kreation eine Karte beizufügen, auf der du erklärst, was du mit deiner Farbauswahl ausdrücken wolltest.
Woher nimmst du deine Inspiration?
Ich hole meine Inspiration eigentlich überall her. Wenn ich irgendwo eine schöne Farbkombination sehe, mache ich sofort ein Foto. Diese Fotos speichere ich in einem speziellen Ordner auf meinem Handy. Wenn ich dann ein neues Projekt beginne, schaue ich immer in diesen Ordner, um zu sehen, ob ich darin eine schöne Idee gespeichert habe, die zu meiner Kreation passt.
Im Alltag: Manchmal, wenn ich an etwas arbeite, sehe ich wunderschöne Farbkombinationen. Z.B. kürzlich, als ich meine Hände nach dem Waschen abtrocknete. Ich habe fliederfarbige Handtücher. Als ich meine Hände getrocknet habe, entdeckte ich, dass das Korallrosa meiner Nägel wunderbar zu Flieder passt. Ich habe sofort ein Foto gemacht und auch geschaut, ob ich passendes Garn finden konnte.
Auch in der Natur finde ich viel Inspiration. Schau dir doch mal diesen wunderschönen Pfau an! Wenn du die Farben eines Pfaus für deine Kreation nimmst, kannst du kaum eine falsche Wahl treffen. Grün, Weiß, Blau, Schwarz und ein bisschen Gold dabei ergeben eine tolle Kombination. Oder wie wäre es mit diesem prächtigen Eisvogel? Blau und Orange sind verstärkende Farben. Nimm ein dunkles Blau, kombiniert mit Aquablau, Orange und Weiß – und schon hast du eine wunderschöne, vom Eisvogel inspirierte Kreation.
Oft sehe ich auch im Internet Poster, Zeichnungen, Interieurs oder Kleidungsstücke, die tolle Farbkombinationen haben. Davon mache ich dann Screenshots und speichere sie ebenfalls in einem Ordner auf dem Handy. Auch hieraus hole ich Farbinspirationen. Diese Bilder nutze dann ich später, um passende Garne auszuwählen.
Wenn du Schwierigkeiten hast, die richtigen Farben zu einem Bild zu finden, kannst du das Bild auf coolors.co hochladen. Diese Website wandelt dein Bild in eine Farbpalette um – praktisch, oder?
Natürlich kannst du auch viel Inspiration bei anderen finden. Zum Beispiel auf Instagram-Accounts anderer Häkelfans oder sogar auf Interior- und Mode-Accounts. Ich möchte dir ein paar Beispiele nennen, wo ich oft Farbideen finde: bei Jantine von „Het Vrolijk Haakmeisje“, Jorina von „De Haakbubbel“, Manon und Pleun von „Modern Makers“ oder auf dem Interior-Account „Scandinavische Disco“. Ich kopiere nicht, was diese kreativen Köpfe gemacht haben, aber ich nutze ihre Farbschemas als Inspirationsquelle. Warum solltest du weiter suchen, wenn du schon siehst, dass bestimmte Farben gut zusammenpassen? So habe ich zum Beispiel mal eine Tasche in etwa den Farben gehäkelt, die jemand anders für einen Pullover verwendet hatte.
Schau doch auch mal auf Pinterest nach Farbinspiration. Auf dieser Plattform findest du wirklich viele praktische Farbpaletten, die dir als Vorlage für deine Kreation dienen können!
Farbkarten
Natürlich habe ich nicht von jedem Garn alle Farben zu Hause, und ich habe auch nicht immer die Zeit oder Lust, in einen Wollladen zu gehen. Deshalb finde ich es sehr praktisch, dass viele Garnmarken mittlerweile Farbkarten verkaufen. Auf dem Foto siehst du Karten von Scheepjes, Yarn and Colors, Stylecraft und Schachenmayr. Ich benutze diese Karten immer, um zu schauen, welche Farben meinem Foto oder Bild am nächsten kommen. So weiß ich sofort, welche Farben ich am besten für mein Projekt bestellen kann. Außerdem sehe ich gleich, ob die Farben zueinander passen.

Wenn eine Garnmarke keine Farbkarte hat und ich das Garn häufig verwende, erstelle ich meine eigene Farbkarte. Dafür bewahre ich von jeder Farbe ein kleines Stück Garn auf und befestige es in einem Ordner. Im Ordner ist ein Blatt Papier mit allen Farbnamen und Farbnummern. So kann ich immer sehen, welche Farben es gibt und welche gut zusammenpassen.
Von abgeschlossenen Projekten, bei denen ich die Farbkombination besonders schön finde, bewahre ich oft auch die Garnreste zusammen auf. Ich notiere auf einem Projektblatt, welches Garn und welche Farben ich verwendet habe, und klebe/befestige die Garnreste daran. So kann ich diese Farbkombination leicht und schnell wiederfinden, falls ich sie für ein neues Projekt erneut verwenden möchte.
Alle Tipps auf einen Blick
– Nutze das Farbrad.
– Verwende Farben, die eine bestimmte Emotion ausdrücken.
– Halte stets die Augen offen für schöne Farbkombinationen – im Internet, in Zeitschriften, Geschäften und der Natur.
– Bewahre Fotos und Bilder von Farbkombinationen, die dir auffallen, in einem speziell dafür vorgesehenen Ordner auf.
– Farbkarten deiner Lieblingsgarne sind sehr praktisch, um zu entscheiden, was du bestellen möchtest.
Ich hoffe, dass du jetzt voller Inspiration die schönsten Farbkombinationen für deine Kreationen auswählen kannst. Viel Erfolg und viel Spaß beim Häkeln!






